Signaletik für ein neues Stadtquartier in Spreitenbach

In Spreitenbach entstand ein neues Stadtquartier mit mehr als 400 Wohnungen, mehreren Wohnhochhäusern, Langbauten, Höfen und Gewerbeflächen im Sockelbereich. Die Haltestelle der Limmattalbahn liegt direkt im Areal und führt Besuchende nicht an den Rand, sondern mitten in das Quartier – dorthin, wo Wege und Begegnungen beginnen. Wege, Sichtachsen und Adressen entstehen dabei nicht linear, sondern überlagert. Die Signaletik bildet ein Orientierungssystem, das diese räumliche Dichte in klare Wege übersetzt – ruhig, lesbar und ohne zusätzliche Komplexität.

Orientierung in überlagerten Erschliessungen

Signaletik Tivoli Garten

Die Bewegungen im Quartier folgen keiner einfachen Hauptachse.

Drei Erschliessungsformen greifen ineinander:

  • horizontale Wege zwischen Höfen, Sockelbereichen und öffentlichen Räumen
  • vertikale Wege über Kerne und Wohnhochhäuser
  • diagonale Wege über erhöhte Verbindungen und Querbeziehungen zwischen Haltestelle und Shoppingcenter

Im Alltag treffen diese Bewegungen auf unterschiedliche Erwartungen: Bewohnende möchten ohne Umwege nach Hause finden, Besuchende brauchen Klarheit auf den ersten Metern, Gewerbeflächen verlangen Sichtbarkeit ohne Lautstärke – und Mobilitätssysteme benötigen eindeutige Führung.

Systemlogik der Signaletik

Die Analyse zeigte, dass Entscheidungen nicht vor Türen fallen, sondern dort, wo Wege sich kreuzen. Die Signaletik folgt deshalb der Logik der Erschliessung:

  • Im Aussenraum bringt sie Menschen über Plätze und Höfe zu den Eingängen.
  • Auf der Erschliessungsebene lenkt sie Entscheidungen an den Verbindungspunkten und Knotenstellen.
  • Im Inneren bestätigt sie Kerne, Etagen und Ziele.

Die Gestaltung übernimmt die Haltung der Architektur: ruhige Volumen, klare Linien, robuste Oberflächen. Schwarz dient nicht als Statement, sondern als Ruhepunkt – aussen prägnant, im Innenraum zurückhaltend.

Gestaltung als Teil der Orientierung

Das Orientierungssystem umfasst rund dreissig Elementtypen, entwickelt für unterschiedliche räumliche Situationen:

  • Stelen im Aussenraum
  • Wegweiser entlang der Verbindungswege
  • Platzmarker an Bewegungsknoten
  • Kern- und Etagenkennzeichnungen
  • zurückhaltende Gewerbebeschriftungen
  • Elemente zur Mobilität und Haltestelle

Über das gesamte Quartier hinweg wurden rund 2’500 Beschriftungsorte definiert – verteilt auf bis zu neunzehn Ebenen. Jede Elementfamilie erfüllt eine Aufgabe: Menschen ankommen lassen, Entscheidungen ermöglichen oder Ziele bestätigen.

So entsteht Orientierung, ohne sich aufzudrängen.

Die Haltestelle als primärer Zugang

Die Haltestelle der Limmattalbahn ist kein Randbereich, sondern der Moment, in dem das Quartier beginnt. Wer hier aussteigt, betritt nicht zuerst Verkehrsinfrastruktur, sondern einen Lebensraum.

  • Die Signaletik markiert diesen Moment bewusst:
  • eine 17 Meter lange Leuchtschrift als räumliche Orientierung
  • Stationskennzeichnungen mit klarer Leserichtung
  • Wegweisung in das Quartier statt entlang der Gleise

Die Signaletik der Haltestelle wurde von uns umgesetzt. Die technische Planung, Herstellung und Montage der Elemente erfolgten durch unseren Bereich Beschriftungen. Die Nähe zwischen Fachplanung und handwerklicher Ausführung stellte sicher, dass Materialität, Sichtbarkeit und Lesbarkeit im Raum funktionieren – nicht nur auf dem Plan.

Damit bildete die Haltestelle die erste realisierte Etappe: geplant, produziert und montiert durch unser Team. Die anschliessende Etappe mit der Signaletik des übrigen Areals wurde im Rahmen der Submission extern umgesetzt und von uns fachlich begleitet.

Entscheidungen im Realraum

Die Entwicklung der Signaletik erfolgte parallel zum Bau. Materialität, Blickachsen und Nutzerverhalten wurden nicht theoretisch bewertet, sondern dort, wo sie wirken: im Realraum. Was im Plan klar erschien, verlor vor Ort gelegentlich an Orientierungskraft – etwa an Höfen, Übergängen oder Erschliessungsbereichen mit seitlicher Annäherung. Das System wurde dort angepasst, wo reale Bewegungen Orientierung verlangten.

Nach Abschluss der Fachplanung wurde die Realisierung der Signaletik im Areal extern vergeben. Wir begleiteten die Ausführung fachlich, prüften Muster, Positionierungen und Montagen vor Ort und stellten sicher, dass Materialität, Lesbarkeit und Wirkung den definierten Vorgaben entsprechen.

Projektbeteiligte und Verantwortlichkeiten

Das Projekt Tivoli Garten wurde in Zusammenarbeit mit Eiffage, KUBÜS AG, Dachtler Partner Architekten sowie weiteren Fachplanern entwickelt. Die Kooperation war geprägt von klaren Abläufen, präziser Abstimmung und einer gemeinsamen Haltung zu Qualität. Wir danken allen Beteiligten für die konstruktive Zusammenarbeit.

Unsere Leistungen

  • Analyse räumlicher Wege und Nutzergruppen
  • Entwicklung der Orientierungslogik
  • Gestaltung und Weiterentwicklung der Piktogramme
  • Typografie sowie Material- und Farbsystem
  • Definition der Elementfamilien und Detailplanung
  • Fachliche Begleitung der Umsetzung

Wirkung im Quartier

Das Quartier verfügt heute über ein Orientierungssystem, das komplexe Wege lesbar macht, Nutzungsbereiche trennt und Ankommende intuitiv führt – ruhig, funktional und im Kontext der Architektur. Orientierung wird nicht wahrgenommen, sie wird erlebt.

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